Die Entwicklung der sowjetischen Medienlandschaft

Analyse & historische Epochen-Übersicht (TL;DR)

Die Geschichte der sowjetischen Medienlandschaft ist die Chronik eines radikalen Wandels: Weg von den kommerziellen und monarchistischen Strukturen des zaristischen Russlands, hin zu einer vollständig verstaatlichten und ideologisch zentralisierten Massenpresse[span_0](start_span)[span_0](end_span).

1. Die Ausgangslage: Presse im zaristischen Russland (vor 1917)

2. Der Bruch: Revolution und Bürgerkrieg (1917–1922)

3. Der Aufstieg: Sozialistischer Aufbau & Industrialisierung (1920er & 1930er)

4. Die Zerreißprobe: Der „Große Vaterländische Krieg“ (1941–1945)

5. Die Nachkriegszeit und Bilanz (Stand 1947/1948)

Zum 30-jährigen Jubiläum der Sowjetmacht zog die Unions-Buchkammer eine monumentale Bilanz über die Entwicklung des Buchdrucks von 1918 bis 1947[span_23](start_span)[span_23](end_span):

Zeitraum Bücher & Broschüren (in Tsd.) Gesamtauflage (in Mill. Exempl.) Druckbogen (in Mill.)
1918–1922 159,5[span_24](start_span)[span_24](end_span) 1.186,3[span_25](start_span)[span_25](end_span) 6.330,0[span_26](start_span)[span_26](end_span)
1923–1937 443,1[span_27](start_span)[span_27](end_span) 5.579,0[span_28](start_span)[span_28](end_span) 27.981,4[span_29](start_span)[span_29](end_span)
1938–1947 270,1[span_30](start_span)[span_30](end_span) 4.212,3[span_31](start_span)[span_31](end_span) 21.173,6[span_32](start_span)[span_32](end_span)
Insgesamt 872,7[span_33](start_span)[span_33](end_span) 10.977,6[span_34](start_span)[span_34](end_span) 55.485,0[span_35](start_span)[span_35](end_span)

Den Löwenanteil der Buchproduktion machte die politische und sozialökonomische Literatur aus (ca. 35 %), gefolgt von schöngeistiger Literatur (ca. 20 %) sowie Naturwissenschaften und Technik[span_36](start_span)[span_36](end_span). Die Werke von Marx, Engels, Lenin und Stalin erreichten bis dato eine Gesamtauflage von über 721 Millionen Exemplaren[span_37](start_span)[span_37](end_span).

Das sowjetische Selbstverständnis der Pressefreiheit:
Der Kern der damaligen sowjetischen Argumentation – wie er über den Artikel 125 der UdSSR-Verfassung transportiert wird – besagt, dass eine „bürgerliche“ Pressefreiheit ein Betrug sei, solange Druckereien und Papier im Besitz von Kapitalisten liegen[span_38](start_span)[span_38](end_span). Wahre Pressefreiheit existiere erst dann, wenn der Staat die materiellen Bedingungen den Werktätigen und ihren Organisationen zur Verfügung stellt, um Profitinteressen vollständig auszuschließen[span_39](start_span)[span_39](end_span).